Das eigene Blog: Eine Analyse und zwei Wege.

Bild: www.tanjapraske.de

Nie war es für uns einfacher, sich anderen Menschen multimedial und international mitzuteilen. Gab es vor wenigen Jahren noch Torwächter, die dank komplexer und teuerer Technik die Medienwelt beherrschten, so kann sich heute Otto-NormalverbraucherIn ohne grössere Schwierigkeiten eine digitale Stimme verpassen.

Aber wie schwierig ist es eigentlich, sich ein Blog, dass nach wie vor noch die Basis einer cleveren “Social Web”-Strategie (ob privat oder beruflich) darstellt, einzurichten?

Tanja Praske beschreibt in ihrem Beitrag "Auf Reisen oder Hürdenlauf zum persönlichen Blog" ausführlich ihre Gedanken und Entscheidungen auf dem Weg zum eigenen Blog. Sie ist keine unerfahrene Frau, wenn es um digitale Inhalte geht. Als Mitorganisatorin des stARTcamps in München kann man sie vielmehr als versierte Social-Web-Nutzerin und -Kennerin bezeichnen. Daher ist ihre offene und ehrliche Beschreibung ein “Best Practice” für jeden, der ein (Corporate-) Blog aufbauen möchte.

Aber warum ist ein zentrales Blog eigentlich in Zeiten von Facebook, Google+ und Co. überhaupt noch wichtig? Kann ich meinen Content nicht einfach kreuz und quer über das Web verteilen und die Nutzer finden schon alle für sie wichtigen Inhalte (wenn sie professionell verstichwortet sind)?

Ja, das stimmt. Aber dennoch würde ich jedem zuerst einmal raten, ein Blog zu betreiben und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Ein eigenes Blog aufzubauen bedeutet, dass man sich einmal mit den Grundlagen der “Web 2.0”-Technologie wenigstens rudimentär vertraut machen muss. Ob RSS-Feeds, unterschiedliche “Content Management Systems” (CMS) oder “Embeded Media”: Alles das und vieles mehr spielen für ein Blog und das gesamte Web eine wichtige Rolle.
     
  2. My Blog is my Castle. In den sozialen Netzwerken bin ich nur Gast. Mein Content gehört mir nicht wirklich und wenn das Gästehaus schliesst, muss ich mir eine neue Bleibe suchen und hoffen, dass ich die Einrichtung mitnehmen darf.
     
  3. Content Management. Jedes Blog sortiert und organisiert den Inhalt, den die Blog-SchreiberInnen dort einstellen. Das geht am Anfang nicht automatisch, aber das zu erlernen und anzuwenden, hilft dabei, langfristig mit seinem Content zu planen. Beispiel: Versuchen Sie einmal auf Facebook den wichtigen Link “X” wiederzufinden, denn Sie vor 3 Jahren dort veröffentlichten. Mit einem Blog geht das sehr einfach.
     
  4. Eigenes Web-Know-How-Portfolio. Nichts kann eigene Kompetenz besser im Web gebündelt darstellen, wie das eigene Blog. Kein Tweet, keine Facebook-Gruppe, kein Google+ oder Xing-Profil. Nur die eigene Website, besser noch das eigene, vernetzt wachsende Blog bietet diese Möglichkeit.

Es gibt sicher noch viele weitere Punkte. Aber sie alle drücken immer nur das Eine aus:
Will ich im Web wahrgenommen werden, brauche ich ein Blog.
Egal ob Privatmensch oder Unternehmen: Das Blog sollte die Basis und der Fokus meiner Aktivitäten im Web sein.
Mein eigener Hafen, von dem die Projekte und Ideen in See stechen und in dem sie vollbeladen mit Erfahrungen und Kontakten wieder heimkehren.

Aber Blog ist nicht gleich Blog. Das beste Beispiel, wie es auch anders geht, zeigt die Umgebung, in der dieser Beitrag zu finden ist.
Mein altes und geliebtes CMS Posterous wird wohl bald seinen Geist aufgeben. Es ist ein kostenfreier, hoch funktionaler Service, dessen Techniker aber von Twitter aufgekauft wurden (s. http://bit.ly/QSgtQu ). Daher habe ich nach einem Ersatz gesucht. Allerdings liegt der Fall bei mir völlig anders als bei Tanja Praske. Während sie eine Website-artige Heimat für ihren Content und ihre Selbstdarstellung sucht, geht es mir um eine Art “Flugzeugträger”, von dem ich schnell Content gezielt abfeuern kann und der als “Landebahn” für allen möglichen Social-Web-Content dient, den ich mit den unterschiedlichsten Geräten und Medien in Echtzeit produziere.
Ich brauche weniger einen “Tournee-Bus”, als einen “Battlestar Galactica”, da mein Konzept weniger auf Präsentation, als auf breiteste Wahrnehmung basiert. 
Meine Heimatbasis, meine Visitenkarte ist eher die Unternehmensseite, die gerade völlig neu und noch wesentlich minimalistischer von Christof Breidenich entworfen wird. 
Für meine Art zu arbeiten, ist eine tief in den Netzwerken verankerte, über ein Blog zentrierte und zentral über ein “Social Web Command Center" gesteuerte Content-Strategie wesentlich effektiver. Alle Inhalte sind konzentriert dort zu finden, wo die Zielgruppen sind und das Blog ist, wie gesagt, der "Flugzeugträger". 
Dabei ist es mir völlig egal, ob ich mir morgen einen neuen “Flugzeugträger” aufbauen muss, wenn die alte Flotte veraltet ist oder leider verschrottet wurde. Im Gegenteil, denn so bin ich aufgefordert mich mit aktuellen Möglicheiten auseinanderzusetzen, die das Web beinahe täglich hervorbringt. Dank Content-Export nehme ich meinen Content wieder mit und richte mich neu und aktuell auf dem neuesten oder besten “Flugzeugträger” ein.

So gibt es für jeden und jeden Geschmack die richtige Blog-Lösung.
Aber ganz am Anfang steht das Wissen darum, was man eigentlich mit seinem Blog erreichen will, welche Ziele man hat und welche Zielgruppen man erreichen will. Das hat Tanja Praska sogar in den “Über mich”-Bereich verankert:

Ziel von KULTUR – MUSEO – TALK
Mein Blog steht auf zwei Säulen: Einerseits wird es ein Kunstblog sein, d.h. Ausstellungen, Rezensionen oder Kunstimpressionen werden thematisiert; andererseits werden die Möglichkeiten des Einsatzes von Social Media für den Kultursektor ausgelotet. Das betrifft vor allem die Praxis, aber auch die Besprechung von relevanten Tagungen, Weiterbildungen oder Ideen der Kunstvermittlung, die zur Diskussion gestellt werden. Beide Säulen hängen eng miteinander zusammen – eben MUSEO TALK.

Damit hat sie nicht nur die inhaltliche Richtung vorgegeben, sondern auch eine strategisch richtige Umgebung für diesen Inhalt aufgebaut. Sie braucht kein “Social Media”-Marketing-Sperrfeuer, sondern Platz und Ruhe zum Denken und Darstellen. Tiefes Verständnis zu haben und zu vermitteln ist in ihrem Beruf wichtig.

1+, liebe Tanja.

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